Softwarefehler, die im Sekundentakt Millionen vernichten

Jul 23, 2015 | In der Presse

Nachdem Computerprobleme auf dem Börsenparkett schon häufiger für eklatante Pannen gesorgt haben, legte dieser Tage ein Softwarefehler für fast vier Stunden die New Yorker Börse lahm und offenbart damit, was sich schon länger andeutet: Software ist ungemein komplex geworden und Unternehmen, die an Wartung sparen, setzen sich einem hohen Risiko aus. Im neuesten Beitrag seiner Manager-Magazin-Kolumne kommentiert Dr. Johannes Bohnet deshalb die Umstände des Ausfalls und zeigt mögliche Lösungswege auf.
 

Ein Softwarefehler legt die New Yorker Börse lahm

Mit einer Dauer von drei Stunden und 38 Minuten verzeichnete die Aktienbörse New York Stock Exchange (NYSE) dieser Tage den längsten Ausfall ihrer Geschichte. Schuld an der Panne war ein Softwarefehler, der „größere technische Schwierigkeiten“ mit sich brachte und auf „ein Problem mit der Konfiguration“ der Computersysteme zurückzuführen war. Der folgenschwere Softwarefehler bewirkte eine fehlerhafte Systemkonfiguration, die sich nach einem System-Update einstellte und dafür sorgte, dass über mehr als die Hälfte des Handelstages Investoren keine Aktien kaufen oder verkaufen konnten.

Ein folgenschweres Wirtschaftsdebakel verhinderte dabei nur der Umstand, dass der US-amerikanische Aktienhandel mit der Zeit eine zunehmende Deregulierung und Fragmentierung erfahren hat, die dafür sorgte, dass die Geschäfte an anderen großen Handelsplätzen wie gewohnt weiterlaufen konnten. Über die Dauer hatten sich also immer mehr Handelsplätze etabliert und es ermöglicht, NYSE-Aktien auch an anderen Börsen und alternativen Handelsplätzen zu handeln.

Und dabei ist der Ausfall der NYSE bei Weitem nicht das einzige Beispiel für eine eklatante Softwarepanne im Börsenumfeld. So legte etwa ein Softwarefehler am 22. August 2013 für rund drei Stunden die US-Technologiebörse Nasdaq lahm. Die Beispiele solcher Ausfälle sind beunruhigend zahlreich – in seinem Kolumnenbeitrag nennt Dr. Bohnet einige weitere davon – und schnell stellt sich die Frage, nach Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten dieser durch Softwarefehler verursachten Ausfälle. Zumindest im Zusammenhang mit der NYSE spielt dabei wohl die Wartung von Software eine bedeutende Rolle.
 

An Softwarewartung und –Modernisierung darf nicht gespart werden

Letztlich ließ der fast vierstündige Ausfall der NYSE vor allem dessen Betreiber Intercontinental Exchange (ICE) schlecht dastehen. Das Unternehmen hatte die Traditionsbörse 2012 für 8,2 Milliarden Dollar übernommen und dabei wohl insbesondere auf Kostensynergien spekuliert. Zwar wies ICE Vorwürfe, man habe den Softwarefehler durch Kostenkürzungen an der falschen Stelle womöglich selbst provoziert, unmittelbar nach dem Ausfall zurück. Doch es bleibt der Eindruck, dass der Softwarefehler der New Yorker Börse mit der zu geringen Softwarewartung in Zusammenhang stehen könnte.

Allerdings ist der Spagat zwischen der aus technischer Sicht bedeutsamen Softwarequalität und dem vom Management angestrebten schnellen Time-to-Market auch nicht leicht zu bewerkstelligen. Entsprechende Budgets und ein Fokus auf Softwarequalität in den internen Anreiz- und Belohnungssystemen sind vonnöten, was insbesondere auch erfordert, dass Management und Entwicklungsabteilung jederzeit sehen können, ob Lösungen sauber programmiert sind oder drohen, Opfer eines Softwarefehlers zu werden.

Möglich ist dies etwa durch die intuitive Sichtbarmachung technischer Risiken wie sie durch seereneTM erfolgt. Derartige Software-Analyse-Verfahren erlauben es, Software-Schwachstellen in einer halbautomatischen Weise erkennen und behandeln zu können. So lassen sich Softwarefehler und Sicherheitslücken schon im Vorfeld beseitigen und das angestrebte Time-to-Market erfüllen.

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