Automobilbranche leidet unter Software-Komplexität

Sep 4, 2015 | In der Presse

Von Carsharing, über Elektrowagen bis hin zu selbstfahrenden Autos – die Automobilbranche befindet sich im vielleicht massivsten Umbruch ihrer Existenz, in deren Zentrum Software zum bedeutendsten Faktor geworden ist. Das Problem: Die technische Entwicklung schafft häufig ein Maß an Software-Komplexität das die Hersteller überfordert. Im neuesten Beitrag seiner Manager-Magazin-Kolumne kommentiert Dr. Johannes Bohnet deshalb die Lage in der Branche und diskutiert Handlungsmöglichkeiten.
 

Software im Zentrum eines Branchenumbruchs

Kaum eine Branche befindet sich dieser Tage in einem so gewaltigen Umbruch wie die Automobilsparte. Unter dem Stichwort „Mobilität“ diskutiert die Branche von Carsharing-Konzepten bis hin zu neuen Ansätzen im Personennahverkehr und hat mit dem Elektroauto die bedeutsamsten Umwälzungen wohl noch vor sich. Insbesondere Tesla versteht es zurzeit mit seinem Tesla Modell S für Furore zu sorgen und während das Elektroauto aus Palo Alto eindrucksvoll die neuen Möglichkeiten der Technologie aufzeigt, rückt mit Google ein weiterer Branchenriese aus dem Silicon Valley vor, der sich am anderen Ende des Innovationsspektrums an selbstfahrenden „Roboter-Autos“ versucht und die etablierten Akteure damit von einer anderen Seite unter Druck setzt.

Und egal welches am Ende nun der dominante Ansatz wird, eines haben alle diese neuen Konzepte – von Carsharing über Elektroautos bis hin zum selbst fahrenden Vehikel – gemein: in ihrem Zentrum bildet Software den wesentlicher Bestandteil. Doch wenngleich Software mittlerweile eine zentrale Rolle spielt, überfordert ihre Komplexität offensichtlich bisweilen noch so manchen Hersteller. Allein im Juli 2015 waren mit Ford (433.000 Fahrzeuge), Jaguar Land Rover (65.352 Fahrzeuge) und Toyota (630.000 Fahrzeuge) gleich drei namhafte Autobauer zu Massenrückrufen aufgrund von Softwarefehlern gezwungen.
 

Komplexität und Time-to-Market-Druck befördern Massenrückrufe

Und die Liste von softwarebedingten Massenrückrufen ist damit beileibe noch nicht zu Ende. Vielmehr lässt sich konstatieren, dass Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert an Automobil-Rückrufen zu verzeichnen hatte und die Hersteller in den USA 2013 sogar 31 Prozent mehr Fahrzeuge zurückrufen mussten, als sie an Neuwagen verkauft haben. Doch worin liegen die Ursachen für Massenrückrufe aufgrund von Softwarefehlern, wenn Autokonzerne Millionen in Wartung und Qualitätssicherung investieren?

Wie so oft beim Thema Software spielen hierbei insbesondere der hohe Time-to-Market-Druck und die gestiegene Komplexität von Softwaresystemen im Allgemeinen eine wichtige Rolle. Immerhin steckt in einem gewöhnlichen Automobil mittlerweile mehr Programmcode als in der Mondrakete von 1969. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass immer mehr Hersteller Gleichteilestrategien auf Basis von Baukastensystemen verfolgen, bei denen auch Software in immer vielfältigeren Szenarien zur Anwendung kommt, überrascht die hohe Anzahl von Massenrückrufen aufgrund von Softwareproblemen nur noch bedingt.

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